Magris' interview met
ScienceGuide en het verslag van zijn debat met
Frans Timmermans in Utrecht leest u hier.
Der Spiegel meldt dat Magris de hoge
verwachtingen van zijn toehoorders met zijn dankrede niet
teleurstelde. "Der diesjährige Friedenspreisträger
warnte vor einem neuen Populismus und neuen Barrieren in Europa,
die "Demokratien ohne Demokratie" erschaffen würden. "Jede
Bedrohung der Demokratie ist eine Gefahr für den Frieden, ganz
gleich in welcher Form sie auftritt", sagte Magris bei der
Entgegennahme der Auszeichnung.
In seiner Rede monierte der in Triest lebende
Germanistik-Professor, Essayist und Romancier, dass es "bisweilen
unsichtbare Grenzen" zwischen Einheimischen und Einwanderern in
europäischen Großstädten gebe. Eine beklagenswerte Situation, denn:
"Auf Europa wartet die große und schwierige Aufgabe, sich den neuen
Kulturen der neuen Europäer aus der ganzen Welt zu öffnen, die es
durch ihre Mannigfaltigkeit bereichern."
Der dritte Weltkrieg
Voraussetzung dafür sei jedoch, dass in Europa Werte wie die
rechtliche Gleichstellung aller Bürger - unabhängig von Geschlecht,
Religion oder Volkszugehörigkeit - nicht mehr in Frage gestellt
würden. Nur ein "wirklich geeintes Europa" als dezentralisierter
echter Staatenbund sei aber fähig, dieses und andere Probleme zu
lösen. Von diesem erstrebenswerten Zustand sieht Magris die
Europäische Union hingegen weit entfernt; er beklagte die
"gegenwärtige Schwäche und Zerrissenheit Europas".
Diese Diagnose war wohl auch auf den intellektuellen Horizont
der Europäer gemünzt, denn relativ deutlich konstatierte Magris
Selbstzufriedenheit und Ignoranz: "Wir wiegen uns in der Illusion,
ohne Krieg zu leben, weil der Rhein keine von Hunderttausenden von
Soldaten umkämpfte Grenze mehr ist oder weil auf dem Karst hinter
Triest nicht mehr diese Grenze verläuft, die der unüberwindbare
Eiserne Vorhang war und ein Pulverfass zugleich."
Dabei habe längst der dritte Weltkrieg stattgefunden: "Ungefähr
20 Millionen Tote nach 1945, die im Unterschied zu denen des
Zweiten Weltkrieges so gut wie unbekannt geblieben und einem
brutalen Vergessen anheim gegeben sind." Krieg, das sei nicht nur
das Blutbad in Biafra oder der 11. September 2001 in New York;
Krieg sei auch das Morden der Mafia oder der Handel mit Organen von
Kindern, die eigens deswegen getötet würden.
"Hysterisch und symptomatisch in ihrer
Brutalität"
Besonders kritisch setzte sich Magris, seit Jahren auch Anwärter
auf den Literaturnobelpreis, mit seinem Heimatland Italien
auseinander. Die Reaktionen auf die aus Afrika kommenden
Bootsflüchtlinge etwa seien "hysterisch und symptomatisch in ihrer
Brutalität".
Zudem attackierte er ein neues Gesetz, das Bürgern erlaube,
selbst die Ordnung und Sicherheit im Einwandererland Italien zu
kontrollieren. "Als italienischer Patriot hoffe ich, dass mein - im
übrigen bezauberndes - Land nicht noch einmal Vorkämpfer in
negativem Sinn sein wird: Den Faschismus in Europa haben
schließlich wir erfunden, auch wenn uns danach andere in ihrem
Eifer weit übertroffen haben."