Succes met Januskop

Nieuws | de redactie
3 april 2008 | Geesteswetenschappen hebben het niet alleen bij ons moeilijk. Het soort advies dat minister Plasterk daarover heeft gevraagd, is in Duitsland inmiddels uitgebracht. Maar helpen de stimuleringen die daarin zijn opgenomen wel? Prof. Dr. Hans-Joachim Gehrke, chef van het archeologisch instituut in Berlijn en oud-voorzitter van de begeleidingsgroep voor die stimulans, uit grote zorgen met een soms verrassende oorsprong: “In gewisser Weise haben sich die Probleme durch die Exzellenzinitiative von Bund und Ländern zur Stärkung der Spitzenforschung noch verstärkt.”

Erfolg auf wackeligen Beinen

Am Anfang stand die Krise und ihre Diagnose: Zu Beginn des neuen Jahrtausends nahm die Deutsche Forschungsgemeinschaft die allgemeine Lage der Geisteswissenschaften in Deutschland in den Blick. Dabei wurden vor allem zwei Tendenzen sichtbar, die sich in ihrer Kombination in bedenklicher Weise verstärkten.

Zum einen wurde an den Universitäten die Grundausstattung zurückgefahren. Zum anderen orientierten sich die prinzipiell zu begrüßenden leistungsbezogenen Mittelzuweisungen an die einzelnen Fakultäten und Fächer im wesentlichen an quantifizierenden Indikatoren, nicht zuletzt an dem Volumen der eingeworbenen Drittmittel. Dabei spielte zugleich die Frage nach der unmittelbaren Nutzanwendung der wissenschaftlichen Arbeiten und Ergebnisse eine immer größere Rolle – und diese Nutzanwendung ist in den Geisteswissenschaften bekanntlich nicht so leicht erkennbar und propagierbar wie in den Lebens- und Technikwissenschaften.

Auf diese Zwänge hatten die Geisteswissenschaften durchaus bereits reagiert, denn sie waren in der Drittmitteleinwerbung sehr wohl erfolgreich. Doch der Preis dafür war mitunter hoch: Nicht selten mussten sich die Geisteswissenschaftler auf Formate einlassen, die für ihre spezifischen Arbeitsformen nicht unbedingt optimal sind. Diese erfordern nämlich nicht immer ein arbeitsteiliges und projektförmiges Vorgehen. Die intellektuelle Umsetzung empirischer Arbeit in der Abfassung einer Monografie ist eine wesentlich individuelle Leistung – und das gilt immer noch als Herzstück geisteswissenschaftlicher Tätigkeit. Dafür sind zwar gewiss Zuarbeiten und ein vielfältiger Gedankenaustausch notwendig. Doch das alleine zwingt noch nicht zu größeren Forschungsverbünden.

Genauso kann, je nach wissenschaftlicher Fragestellung und Zielsetzung, auch ein Sonderforschungsbereich prinzipiell ein geeignetes Instrument sein. Aber häufig handelt es sich bei geisteswissenschaftlichen Projekten um anders geartete Vorhaben und Untersuchungen, die sogar verhältnismäßig unaufwendig sind und dennoch zu bedeutenden Ergebnissen führen. Wer freilich so arbeitet, der wird durch die Fixierung auf Drittmittel und Verwertung eindeutig benachteiligt.

Eben an diesem Punkt setzten die Bemühungen der DFG an, den Geisteswissenschaften eine ganz eigene Stütze zu geben – und damit auch eine ganz eigene Perspektive. Das Zauberwort dazu hieß „Kalibrierung“ der Förderinstrumente der DFG. Diese sollten sich künftig flexibel an den spezifischen Arbeitsformen und daraus resultierenden Bedürfnissen der Geisteswissenschaften orientieren. So entstand die „Förderinitiative Geisteswissenschaften“, die ab dem Frühjahr 2002 von einer Arbeitsgruppe der DFG in enger Rückbindung an die wissenschaftlichen Communities entwickelt und ein Jahr später von den Gremien der DFG verabschiedet wurde.

Die damals beschlossene Pilotphase ist nun beendet, die Maßnahmen und Instrumente der Förderinitiative sind seit Ende 2007 definitiv etabliert und werden sogar als Modell für andere Wissenschaftsbereiche diskutiert. Zeit also, Bilanz zu ziehen. Diese Bilanz fällt janusköpfig aus: Was wie eine Erfolgsgeschichte aussieht, ist weiterhin Bedrohungen von verschiedenen Seiten ausgesetzt.

Der Erfolg: Mit der Förderinitiative wurden konkret vier Maßnahmen eingerichtet, die passgenau auf die Sachverhalte und die Anregungen abgestimmt waren:

Der großen Bedeutung der individuellen Forschungstätigkeit in den Geisteswissenschaften wurde dadurch Rechnung getragen, dass Forschungszeit nunmehr projektförmig beantragt werden konnte. Die damit finanzierten Vertretungen dienten zugleich der Nachwuchsförderung.

Da gerade in den geisteswissenschaftlichen Disziplinen, besonders in den sogenannten Kleinen Fächern, der unmittelbare Kontakt mit anderen Forschern oft durch weite Entfernungen erschwert und hiervon besonders der Nachwuchs betroffen ist, wurde Wissenschaftlern ermöglicht, thematisch orientierte Netzwerke unter internationaler Beteiligung aufzubauen.

Die Arbeit ‚auf lange Sicht’ ist ein Spezifikum der Geisteswissenschaften, wobei es sich beispielsweise um langfristige Grabungsprojekte, Editionen und andere Materialvorlagen handelt. Die Förderinitiative hat hierfür gut zu handhabende Regeln geschaffen, die die nötige Planungssicherheit geben, ohne dass die Projekte ad infinitum reichen. Weil sehr große Verbünde wie Sonderforschungsbereiche nicht unbedingt den Regularien geisteswissenschaftlichen Arbeitens angemessen sind, andererseits aber in der Leistungsbewertung eine hohe Sichtbarkeit und generell eine besondere Bedeutung für die Profilbildung innerhalb der Universitäten haben, wurde auch das Instrument der Forschergruppe mit Blick auf die besonderen Belange geisteswissenschaftlicher Arbeit ergänzt: So entstanden im Jahr der Geisteswissenschaften 2007 schließlich die Kollegforschergruppen.

Alle diese neuen Instrumente haben in der Fachwelt sehr große Zustimmung gefunden. Die ersten drei Verfahren wurden bereits positiv evaluiert, von dem erst kürzlich eingerichteten Instrument der Kollegforschergruppe ist es für eine solche Evaluation noch zu früh, doch ist auch hier auf ebenso positive Ergebnisse zu hoffen. So weit, so gut!

Die Bedrohung: Doch trotz des Erfolgs der Förderinitiative bestehen für die Geisteswissenschaften nach wie vor nicht geringe Probleme, weil eben die ungünstigen Rahmenbedingungen bestehen bleiben: Mittelkürzungen, Verwertungsdenken und die Flucht in große Verbünde setzen den Geisteswissenschaften weiter zu.

In gewisser Weise haben sich die Probleme durch die Exzellenzinitiative von Bund und Ländern zur Stärkung der Spitzenforschung noch verstärkt. Zwar waren die Geisteswissenschaften in der zweiten Runde der Exzellenzinitiative durchaus erfolgreich. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Exzellenzinitiative die mit der Förderinitiative eingeschlagene Entwicklung teilweise konterkariert hat. Es muss sich noch zeigen, ob die Kooperation in sehr großen und, wie schon jetzt erkennbar wird, teilweise überorganisierten Verbünden der Arbeit in schlankeren Einheiten überlegen ist.

Die Nagelprobe könnte darin bestehen, welche Perspektive die sogenannten Kleinen Fächer dabei erhalten. Diese sind bereits durch die Umstellung der Studiengänge in ihrer Identität und damit in ihrer Existenz zumindest beeinträchtigt, wenn nicht gefährdet.

Nicht zuletzt im Umgang mit ihnen wird sich aber zeigen, wie weit unsere Gesellschaft gewillt ist, das nach wie vor enorme und lebenswichtige Potenzial ihrer Geisteswissenschaften insgesamt zu nutzen. Diese sind nicht bloß Hüter unserer eigenen und fremder Traditionen. Sie verdeutlichen auch, wie wir mit diesen umgehen können. Sie übersetzen und vermitteln zwischen verschiedenen Kulturen, mit denen sie sich durch eingehendes Studium von Sprachen, Ideen und Vorstellungen vertraut gemacht haben. Gerade in einer Welt, in der der kulturelle Austausch mit den wirtschaftlichen Verflechtungen Schritt halten muss, ist die kulturelle Kompetenz, die in einer Gesellschaft vorhanden ist, von existenzieller Bedeutung.

Mit den in den letzten Jahren entwickelten Förderinstrumenten hat die DFG gezeigt, dass sie sich auch dieser Sachverhalte bewusst ist. Es bleibt aber eine Aufgabe – nicht nur der DFG – hierfür auch in der Öffentlichkeit und nicht zuletzt bei den Wissenschaftspolitikern und -organisationen Verständnis zu wecken. In vielen geisteswissenschaftlichen Fächern steht man bereits mit dem Rücken an der Wand. Weitere Kürzungen werden in manchen Bereichen unmittelbar zum Exitus führen. Es mag Universitäten geben, die mit dieser Reduzierung ihres interdisziplinären Spektrums gelassen umgehen. Aber kann sich unsere Gesellschaft erlauben, sich ihrer Möglichkeiten zu vertieftem Selbstverständnis und zu echter Kommunikation mit anderen Kulturen zu berauben?

Prof. Dr. Hans-Joachim Gehrke was voorzitter van de Wissenschaftlicher Beirat für die Förderinitiative Geisteswissenschaften der DFG. Seit dem 1. März 2008 ist der Althistoriker Präsident des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) in Berlin.




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