Duitse lof voor Leiden

Nieuws | de redactie
7 mei 2008 | "Leiden kann so schön sein. Jedenfalls die holländische Uni-Stadt, wo traditionell die Sprösslinge des Königshauses studieren. Dagegen ist Leiden unter deutschen Studenten kaum bekannt. Ein Fehler: Die Hochschule ist Spitze." Der Spiegel  blijft het HO van ons land beschrijven en aanprijzen. Nu wordt de Leidse universiteit bezongen: "Leiden hat nach Oxford den zweitgrößten sinologischen Fachbereich Europas, seit dem 18. Jahrhundert steht hier die Beschäftigung mit China auf dem Programm. "In den letzten zehn Jahren wurde sehr viel in die moderne Sinologie investiert", sagt Axel Schneider, der im Jahr 2000 als Professor von Heidelberg nach Leiden wechselte."



Morgens, meist gegen halb neun, fängt es an, das große Scheppern. Aus allen Himmelsrichtungen rollen die Studenten zu Hunderten auf klappernden Fahrrädern in das historische Zentrum von Leiden, bewegen sich Hinterrad an Vorderrad auf gut geteerten Wegen langsam voran. In den kopfsteingepflasterten Straßen der Altstadt schwillt das Klappern dann zu einem vielstimmigen Rattern an, nur hin und wieder übertönt vom Schrei einer Möwe. Das ist er, der Sound von Leiden, denn die Universität bestimmt das Leben dieser Stadt im Süden der Niederlande.

Rund 17.500 Studenten sind hier immatrikuliert, bei knapp 120.000 Einwohnern eine große studentische Gemeinde. Doch das akademische Leben in Leiden ist überschaubar: Die meisten der neun Fakultäten sind rund um die Rapenburg angesiedelt, eine malerische Gracht in der Stadtmitte. Dort stehen die bis zu 400 Jahre alten Häuser so dicht, als würden sie von links und rechts in die Klemme genommen. Ihre gardinenlosen Fenster öffnen den Blick in ein gemütliches Innenleben. Das Holland-Bilderbuch-Panorama wird abgerundet durch eine herausgeputzte Windmühle auf dem grünen Hügel.

Hier sprechen Professoren freiwillig mit Studenten

Leiden ist seit 1575 Universitätsstadt, es ist die älteste Universität der Niederlande und auch heute in einigen Fachbereichen die renommierteste – was in Deutschland kaum bekannt ist. Als Matthias Peitsch sich in Leiden bewarb, wurde er sofort genommen. “Leiden hat unter deutschen Studenten nicht den Ruf, den es verdient”, sagt der Jurastudent aus Heidelberg. Den Tipp bekam er vom eigenen Vater, der an der Universität Potsdam Literaturwissenschaft lehrt.

Seit acht Monaten studiert Peitsch nun in Rembrandts Geburtsstadt. Der 22-Jährige schwärmt von seinem neuen Hauptarbeitsplatz, der Bibliothek der juristischen Fakultät, die in einer monumentalen Residenz untergebracht ist. Das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert wurde grundsaniert, entstanden sind ein hell gestalteter Lesesaal, um den sich auf zwei Etagen moderne Büros und Seminarräume gruppieren.

Peitsch lobt die Einstellung seiner Dozenten. Einmal ging er nach einer Vorlesung ins Bistro, setzte sich an einen Tisch und wurde dann von seinem Professor angesprochen. “Er setzte sich zu mir, wollte wissen, wie es mir in Leiden gefällt, wie ich mit der Klausur zurechtkam, und hat aus seiner Karriere erzählt. Wer erlebt so etwas schon in Deutschland?”

Fachlich stößt Peitsch in Leiden auf Angebote, die in Deutschland nicht zur juristischen Standardausbildung gehören, zum Beispiel die Entwicklung von Rechtssystemen in Entwicklungsländern. Leiden gehört im Internationalen Recht zur Weltspitze. Einer der Väter des Völkerrechts, Hugo Grotius, begann hier 1595 sein Studium im zarten Alter von elf Jahren. Auch der niederländische Generalsekretär der Nato, Jaap de Hoop Scheffer, hat in Leiden Jura studiert, genauso wie Königin Beatrix – die Uni ist so etwas wie die Haus-Hochschule des niederländischen Adels.

Spitzenarbeitsplätze für Juristen finden sich 15 Kilometer entfernt, in Den Haag, das mit dem Internationalen Gerichtshof (IGH), dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) und dem Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien als Welthauptstadt des Völkerrechts gilt.

“Die Studierenden profitieren von der Nähe zu Den Haag, wir haben oft Gastdozenten vom IGH und vom IStGH”, sagt Horst Fischer. Der deutsche Professor hat in Leiden den Lehrstuhl für humanitäres Völkerrecht inne, der einzige dieses Fachs in ganz Europa. Fischer, der von der Uni Bochum kam und dort auch noch lehrt, ist eine Bekanntheit in seinem Fachgebiet. Er könnte sich vermutlich aussuchen, wo er forscht und lehrt, die holländische Universitätsstadt hat ihn überzeugt: “Leiden ist international hervorragend angesehen und vernetzt”, sagt er.

“Wir wollen, dass du hier bleibst”

Der deutsche Sinologiestudent Florian Göbel reiste vor zwei Jahren auf der Suche nach einem neuen Studienort nach Leiden – und wurde gleich vom Dekan seiner Fakultät persönlich beraten. “Diese Stimmung, wir wollen, dass du hier bleibst, die hat mich gepackt”, schwärmt Göbel. Im Juni wird der 25- Jährige seinen Bachelor in Sinologie machen.

Leiden hat nach Oxford den zweitgrößten sinologischen Fachbereich Europas, seit dem 18. Jahrhundert steht hier die Beschäftigung mit China auf dem Programm. “In den letzten zehn Jahren wurde sehr viel in die moderne Sinologie investiert”, sagt Axel Schneider, der im Jahr 2000 als Professor von Heidelberg nach Leiden wechselte und derzeit in Peking forscht. “Die Dozenten diskutieren ihre Ergebnisse mit den Studenten und stellen ihre Bücher zur Diskussion, bevor sie veröffentlicht sind”, berichtet Nikki von Salesch, Erasmus-Studentin aus Hamburg. “Die Leidenschaft der Professoren ist ansteckend”, meint ihr Kommilitone Erik Claas.

Leiden unter den Preisen – aber mit dem Rad an die Nordsee

Leidenschaftlich ist auch die alljährliche Begrüßung der rund hundert Neuankömmlinge aus dem Ausland durch ihre heimischen Kommilitonen: Immer im August organisieren die Hochschule und Studentenvereinigungen ein einwöchiges Willkommensfest mit dem Namen “El Cid”, bei dem entlang der Grachten getrunken und gefeiert wird.

Danach stellt sich jedoch bei vielen Neuen eine gewisse Ernüchterung ein: Für ein facettenreiches Nachtleben ist Leiden schlicht zu klein. Wer richtig ausgehen will, nimmt den Zug nach Amsterdam – der braucht kaum länger als eine halbe Stunde und verkehrt bis in den frühen Morgen.

So schätzen die Studenten in Leiden vor allem die unaufgeregte und freundschaftliche Arbeitsatmosphäre, etwa am Leids Universitair Medisch Centrum (LUMC), der Universitätsklinik hinter dem Bahnhof. Der Umgangston ist hier viel lockerer als im hierarchieversessenen deutschen Medizinbetrieb, Seminare werden teilweise am Krankenbett des Patienten abgehalten. “Vom ersten Tag an sind Studenten in den Alltag des Krankenhauses integriert”, sagt Eveline Hack, Koordinatorin für internationale Studenten am LUMC.

Holländisch lernen muss schon sein

Wer lieber mit Reagenzgläsern hantiert als mit Skalpell und Spritze, findet in Leiden eines der modernsten Forschungszentren für Biowissenschaften in Europa, in einem frisch eröffneten Neubau. Das LUMC fügt sich in den Leidener Bio Science Park ein, ein riesiges Areal, wo bereits 60 Unternehmen, zahlreiche privatwirtschaftliche Institute und Labore angesiedelt sind.

Tabea Sturmheit aus Lübeck, die in Leiden einen Master in Biomedical Science macht und sich mit Stammzellforschung beschäftigt, ist begeistert über die Freiheiten, die ihr Leiden bietet. “Es gibt zwar den bei Master-Programmen üblichen Stundenplan, aber dazu kann ich mir die Fächer wählen, die ich für sinnvoll halte”, erzählt die 22-Jährige. Dass sie in Leiden ihr Studium mit Managementkursen kombinieren darf, sei ausschlaggebend für ihre Entscheidung gewesen, in die Niederlande zu wechseln.

Als gewichtige Hürde auf dem Weg zum perfekten Studentenglück steht für viele die Landessprache. Fast alle Bachelor-Kurse laufen auf Holländisch, erst in den Master-Programmen wird größtenteils auf Englisch gelehrt und diskutiert. Das International Office bietet im Sommer deutschen Studenten für 800 Euro fünfwöchige Intensivkurse an, die direkt vor Beginn des Wintersemesters im September belegt werden können.

Klappernde Räder, der Sound von Leiden

Ein weiteres Problem, mit dem Gaststudenten zu kämpfen haben, sind die Preise: Leiden ist, wie alle niederländischen Universitätsstädte, ziemlich teuer. Auf rund 900 Euro schätzt das International Office die monatlichen Kosten für ein Leben in Leiden. Wer nicht als Erasmus- Student kommt, muss zusätzlich mit rund 1500 Euro Studiengebühren im Jahr rechnen.

Sinologie- Student Erik Claas ließ sich vom International Office ein Zimmer im Wohnheim vermitteln, für 350 Euro im Monat – doch er musste es mit einem anderen, ihm vorher unbekannten Studenten teilen. Claas blieb nicht lange und machte sich auf die Suche, mit Erfolg. “Das war großes Glück, es ist verdammt schwer, hier auf eigene Faust ein Zimmer zu finden”, sagt er. Die Stiftung Stichting Roofs vermittelt beispielsweise Zimmer von Leidener Studenten, die selbst ins Ausland gehen.

Für den häufig leeren Geldbeutel entschädigt der hohe Freizeitwert Leidens. Der Nordseestrand mit seiner Dünenlandschaft ist nur 20 Fahrradminuten von der Stadt entfernt. So ist auch dort an schönen Wochenenden der Sound von Leiden zu hören – das hundertfache Klappern der Studentenräder.


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