Adviseur Hillary Clinton bepleit internationaal klimaatbeleid

Nieuws | de redactie
28 januari 2009 | Nina Fedoroff wordt de adviseur van minister Hillary Clinton op het terrein van wetenschappelijke thema’s van internationaal beleid. Opmerkelijk feit: zij was dit ook voor de Bush-regering. In een interview pleit zij voor een omslag in de klimaatpolitiek en waarschuwt Europa voor eigen vooroordelen op dit terrein.



SPIEGEL ONLINE: Frau Fedoroff, warum zählen Sie zu den ganz wenigen Vertretern der Bush-Administration, die ihren Posten mit großer Wahrscheinlichkeit behalten werden?

Fedoroff: Der Posten des Wissenschaftsberaters im US-Außenministerium wurde ganz gezielt als politikferne Stelle geschaffen, weil es um wissenschaftliche Erkenntnisse geht und nicht um parteipolitische Einflussnahme. Ohne Wissenschaft gibt es keine Lösungen für die großen Krisen um Energie, Klimawandel, Wasser und Ernährung. Wissenschaftsdiplomatie, wie ich sie verstehe, bietet der Politik Lösungen an, unabhängig vom Parteibuch des Amtsinhabers.

SPIEGEL ONLINE: Und das sieht die neue Regierung auch so?

Fedoroff: Die Amtszeit des Wissenschaftsberaters beträgt drei Jahre, sie ist so angelegt, dass sie immer über eine Präsidentenwahl hinweg andauert. Ich bin jetzt erst ein Jahr im Amt und freue mich auf den neuen Präsidenten und die neue Außenministerin, Hillary Clinton.

SPIEGEL ONLINE: Auf was freuen Sie sich am meisten?

Fedoroff: Auf den neuen Kurs in der Stammzellpolitik und den beim Klimawandel. Beim Umgang mit dem Klimawandel hatten wir in den USA in den vergangenen Jahren ein ähnliches Problem wie die Europäer im Umgang mit genveränderten Pflanzen: Es ging mehr um Glaubenssätze als um Tatsachen. Obama hat zum Glück schon angekündigt, dass er das Problem der Erderwärmung frontal anpacken wird.

SPIEGEL ONLINE: Und Sie werden der neuen Regierung raten, zur Vorbereitung auf den Klimawandel auf genveränderte Pflanzen zu setzen?

Fedoroff: Ja, natürlich. Als Pflanzenphysiologin ist es mir ein ganz besonderes Anliegen, vor einem Verzicht auf gentechnische Methoden zu warnen. Die Pflanzensorten, die nötig sind, um neun Milliarden Menschen inmitten erheblicher Klimaveränderungen zu ernähren, werden nicht allein mit klassischen Züchtungsmethoden entstehen.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Fedoroff: Schon wegen des Zeitdrucks. Wir brauchen in sehr kurzer Zeit neue Sorten, die gegen neuartige Schädlinge und gegen Trockenheit resistent sind. Die Dürre in Australien muss uns eine Warnung sein. Alle Werkzeuge, die zur Verfügung stehen, um die Erträge zu heben und die Agrar-Öko-Systeme zu schonen, müssen angewandt werden.

SPIEGEL ONLINE: Ja zur Gentechnik – und die Welternährungskrise ist gelöst?

Fedoroff: Wenn es so einfach wäre! Die Ursachen dafür, dass in Afrika im Durchschnitt pro Hektar nur ein Viertel bis ein Drittel der Ernte gewonnen wird wie etwa in Amerika mit seiner Hightech-Landwirtschaft, sind vielfältig. Die westlichen Länder haben in den vergangenen Jahren viel zu wenig in die Agrarforschung der Entwicklungsländer investiert und sie haben Zollbarrieren für Agrarprodukte aufrecht erhalten. Das war unverantwortlich. Wir Amerikaner haben zudem den Riesenfehler gemacht, als Hilfslieferungen einfach US-Überschüsse zu schicken, anstatt die regionale Landwirtschaft vor Ort zu fördern. Es bedarf also mehr als einer gentechnikfreundlichen Politik, damit alle Menschen ausreichend Nahrung haben.

SPIEGEL ONLINE: Umweltschützer warnen, dass der Kurs, den Sie für die Gentechniknutzung vorschlagen, die Welternährung in die Kontrolle weniger Großkonzerne bringt.

Fedoroff: Aber das passiert doch gerade jetzt – wegen der Gentechnikfeindlichkeit.

SPIEGEL ONLINE: Wie bitte?

Fedoroff: Schauen Sie sich an, was in Europa vor sich geht. Weil die Regierungen der agrarischen Gentechnik eher ablehnend gegenüber stehen, wird die Forschung an den staatlichen Universitäten kaum gefördert. Die hellsten Köpfe in der Pflanzenbiotechnologie wandern in die großen Unternehmen ab, die bestens zahlen. So wird das Know-how privatisiert.

SPIEGEL ONLINE: Die Gentechnikgegner stärken die Konzerne, gegen die sie kämpfen?

Fedoroff: Ihre Hysterie richtet großen Schaden an. Ich fände es sehr wichtig, dass Regierungen Universitäten und andere öffentlich geförderte Institute in der agrarischen Gentechnik massiv stärken. In Deutschland gibt es zum Beispiel das Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung in Köln, da wurden in den achtziger Jahren einige der wichtigsten Entdeckungen der Pflanzenbiotechnologie gemacht. Wenn man das kontinuierlich ausgebaut hätte, wäre ein Großteil von Patenten und Know-how ein öffentliches Gut geblieben.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es Länder, wo das anders läuft?

Fedoroff: Indien ist ein gutes Vorbild, da wird die Forschung sehr gezielt durch den Staat gefördert und auch kommerzialisiert. Noch wichtiger wäre es freilich, die überzogenen Auflagen für die grüne Gentechnik abzuschaffen. Es gibt keine Technologie, die besser auf Risiken untersucht wurde.

Amerika muss genug Wissenschaftler selbst heranziehen

SPIEGEL ONLINE: Warum haben Amerika und Europa die Agrarforschung so vernachlässigt?

Fedoroff: Die westlichen Länder haben den Rest der Welt regelrecht verraten, nach dem Motto: Bei uns gibt es genug zu essen, da brauchen wir keine Agrarforschung mehr. Heute stellt sich heraus, dass wir damit unsere eigenen Sicherheitsinteressen verraten haben.

SPIEGEL ONLINE: Bei dieser Analyse werden Ihre Militärstrategen aber nur müde lächeln, oder?

Fedoroff: Überhaupt nicht, inzwischen interessiert sich bei uns in Washington auch das Pentagon wieder dafür, wie viel Geld wir in Agrarhochschulen in Indien und Afrika investieren. Wir haben bei den Nahrungsmittelprotesten im Frühjahr 2008 einen Vorgeschmack darauf bekommen, wie instabil eine Welt sein kann, in der sogar die Mittelschichten nicht ausreichend Lebensmittel bekommen.

SPIEGEL ONLINE: Werden die USA ihre Zuschüsse für die 14 international betriebenen Agrarforschungsinstitute wie versprochen verdoppeln?

Fedoroff: Das wird die neue Regierung entscheiden müssen – ich rate sehr dazu.

SPIEGEL ONLINE: Welche anderen Themen als die der Ernährungskrise werden Sie der nächsten Außenministerin nahe zu bringen versuchen?

Fedoroff: Ich halte es für eine drängende Aufgabe, dass wir in Amerika wieder genug Wissenschaftler und Ingenieure aus der eigenen Bevölkerung heraus heranziehen anstatt einseitig die besten Köpfe aus der ganzen Welt anzulocken. In Afrika gibt es viel berechtigte Kritik daran, dass es eigentlich wir Amerikaner sind, die Entwicklungshilfe bekommen – in Gestalt der vielen hoch qualifizierten jungen Leute, die zu uns auswandern. Im Gegenzug schicken wir den afrikanischen Regierungen dann sündhaft teure Berater, die selten Neues zu erzählen wissen.

SPIEGEL ONLINE: Das wäre eine radikale Kehrtwende, denn die amerikanische Forschung lebt vom Zustrom von außen.

Fedoroff: Wir müssen unsere Forschung so organisieren, wie es an den National Instituts of Health bereits das John E. Fogarty International Center tut. Die Institutsdirektoren holen exzellente Wissenschaftler zum Forschen nach Amerika, haben aber eine Rückkehrrate von 85 Prozent. Das Institut kümmert sich nämlich auch darum, dass die Wissenschaftler weiter gefördert werden, wenn sie wieder in ihrem Heimatland sind, es unterhält ein globales Netzwerk der Forschungsförderung. So sollte es auch an unseren Universitäten laufen, damit wir nicht länger Entwicklungsländern das Wasser abgraben.

SPIEGEL ONLINE: Müssen da auch die Entwicklungshelfer umdenken?

Fedoroff: Unbedingt, ob Weltbank, Währungsfonds oder nationale Ministerien – alle denken immer nur daran, Grundschulen in Entwicklungsländern zu fördern. Das ist wichtig, aber genau so wichtig ist es, in die Hochschulen zu investieren. Starke Hochschulen können dafür sorgen, dass die Probleme eines Landes von innen gelöst werden statt von außen.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Vorschlag könnte für Amerika teuer werden. Welche Investitionen sind nötig, um genügend junge Amerikaner in die Wissenschaft zu locken?

Fedoroff: Ein viel beachteter Bericht des National Research Council hat 40 Milliarden Dollar für die nationale Begabtenförderung veranschlagt. Dass dieses Geld nie zur Verfügung gestellt wurde, war ein schlimmes Versagen der Bush-Regierung.

SPIEGEL ONLINE: Kann Barack Obama so viel Geld trotz Finanzkrise aufbringen?

Fedoroff: Das wird schwierig, aber es wäre eine der besten Investitionen, die er machen kann.

SPIEGEL ONLINE: Vermissen Sie im Außenministerium die Laborarbeit und die akademische Atmosphäre?

Fedoroff: Ich habe im Außenministerium zum Glück viel mit anderen Wissenschaftlern zu tun, denn wir holen uns jedes Jahr dreißig Nachwuchswissenschaftler und zehn erfahrende Forscher ins Haus, um von deren Expertise zu profitieren. Aber ganz ohne Lab halte ich es nicht aus. Meine Leute an der Pennsylvania State University halten engen E-Mail-Kontakt mit mir. Einmal im Monat fahre ich zur Gruppenbesprechung, um die weitere Forschung zu planen. Dieses Jahr haben wir vier schöne Publikationen hinbekommen.


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